Friedhof Osterath

Geschrieben von Redaktion am .

geschrieben von Dr,. Margot Klütsch und Falk Neefken

letzte Bearbeitung 01.10.2017

Zur Geschichte des Osterather Friedhofs

Der erste Osterather Fiedhof lag, wie Jahrhunderte lang in Europa üblich, als Kirchhof um die Pfarrkirche St. Nikolaus und wurde von der Pfarrgemeinde unterhalten.

1798 besetzte Frankreich die linksrheinischen Gebiete. Mit dem Vertrag von Lunéville 1801 wurden diese in den französischen Staat eingegliedert, das Gebiet der Stadt Meerbusch war fortan Teil des Roerdepartements.


1804 und 1808 regelte Frankreich per Dekret die Anlage von Friedhöfen mit der Folge, dass auf dem Kirchhof alle Kreuze entfernt werden mussten. Nach der Niederlage Napoleons wurden die Rheinlande in den preußischen Staat integriert, die Kreuze durften wieder aufgestellt werden.

 Lageplan Kirchhhof Osterath bis 1826 kompr

Hauptsächlich aus hygienischen Gründen ordnete Preussen an, Friedhöfe außerhalb der Ortschaften neu anzulegen. Auf dem Kirchhof um St. Nikolaus fanden deshalb ab 1826 keine Beisetzungen mehr statt. Aufgehoben wurde der Friedhof dann 1853, als mit dem Bau der heutigen St. Nikolauskirche auf dem Areal des Kirchhofs begonnen wurde. In den 1980er Jahren, so berichten mehrere Zeugen, stieß man bei Kanalbauarbeiten auf der Hochstraße noch auf menschliche Knochen, die in der Baugrube verblieben.


Plan Friedhof Osterath von 1825 (Pfarrarchiv St.Nikolaus)

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Teil eines Barockengrabstein dieses Friedhofs  an der Außenmauer der Osterather Pfarrkirche St. Nikolaus.

 

 

 

 

 

 

 

Ein neuer - nunmehr kommunaler - Friedhof wurde am östlichen Dorfrand, an den Straßen nach Strümp und Krefeld, angelegt. Das Grundstück sowie die Umfriedungsmauer des neuen Osterather Friedhofs konnten zum großen Teil aus Stiftungen finanziert werden. Als Widmung stand auf den Decksteinen der Säulen des Portals: FratrIbVs nostrIs In Christo nVnCDor saCratVs MIentIbVs ager (Unseren jetzt in Christo entschlafenen Brüdern geweihter Acker).

 

plan fr den  friedhof ab 1826 kompr

 

 

 

 

 

                      Plan vom 11. Juli 1825 für den neuen Friedhof von 1826 (Pfarrarchiv St. Nikolaus)

gruenanlage strmper strae komp

 

 

 

 

 

 

Die Grünanlage Strümper StraßeDie Grünanlage am Bahnübergang Strümper Straße ist ein Überbleibsel dieses Friedhofs, der schon 1912 aufgelöst und an den Bommershöfer Weg verlegt wurde. Einzig das alte Hagelkreuz mit der Inschrift ChrIste FILI die, Chare Liberator orbIs,sIs portIo nostra In terra VIVentIUM. (Christus, Sohn Gottes, liebreicher Erlöser der Welt, sei Du unser Thor ins Land der Lebendigen) erinnert noch daran, dass hier fast ein Jahrhundert lang der (zweite) Osterather Friedhof sich befand. (Holzschneider S. 122).

 

inschrift friedhof osterath kompDer Friedhof am Bommershöfer Weg lag noch in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts deutlich außerhalb Osteraths, ist aber mittlerweile von drei Seiten durch Wohnbebauung und gen Norden durch die Umgehungsstraße begrenzt. Er wurde 1908 von der Kommune angelegt, die zum Unmut der Pfarrgemeinde keinen kirchlichen Vertreter in die Friedhofskommission berief.



friedhof-osterath thumb medium250 0In der In der Friedhofsordnung von 1912 wird noch deutlich, dass die Konfessionsgrenzen über den Tod hinaus galten: Neun Felder waren für Angehörige der katholischen Kirche vorgesehen, lediglich ein Feld für Evangelische. Geregelt wurde außerdem, in welchen "Leichenfeldern" unbekannte Leichen sowie Personen bestattet werden durften, die weder katholischer noch evangelischer Konfession waren. Festgelegt war auch, wo "Selbstmörder" und ungetaufte Kinder sowie "Verstorbene, welchen ein kirchliches Begräbnis nicht gewährt wird", ihre letzte Ruhe finden konnten.


Diese Friedhofsordnung ist ein deutliches Zeugnis dafür, wie sehr Bürokratismus in Deutschland das Friedhofswesen übernahm. Für Grabmäler und deren Inschriften war um eine Genehmigung unter Einreichung von Zeichnungen "nachzusuchen", das Material wurde ebenso vorgeschrieben die mögliche Bepflanzung. Bei Begräbnissen durften nur Personen den Friedhof betreten, "die zum Leichenbegräbnis gehören und . . . sich in einer der feierlichen Handlung entsprechenden Kleidung befinden." Laute Unterhaltung war untersagt, ferner durften Kinder unter 14 Jahren nur in Begleitung Erwachsener den Friedhof betreten.

 

Zwischen 1917 und 1923 fanden wegen der Planung einer neuen Straße große Umbettungsaktionen statt; im September 1923 wurde der Friedhof eingeebnet. 


Literatur:
Theodor Holzschneider, Historische Nachrichten über die Pfarrgemeinde Osterath, 1870, in: Schmalbach, Bock, Margielsky, Blommer und Holzschneider, Meerbusch 2008.
Mike Kunze, Was vom Leben bleibt - Grabsteine als lokalhistorische Quelle (Teil III), in: Meerbuscher Geschichtshefte, Heft 29, Meerbusch 2012, S. 127-177.

 

Relikte des Friedhofs von 1826
geschrieben von Dr. Margot Klütsch 18. NOVEMBER 2011

gimp-hochkreuz 1771Das Hagelkreuz (Denkmal Nr. 53), das mitten auf dem ehemaligen Friedhof als Hochkreuz diente, trägt zwei chronogrammatische (die Jahreszahl enthaltende) Inschriften. Aus ihnen geht hervor, dass es 1771 entstand und 1826 auf dem damaligen neuen Friedhof aufgestellt wurde. Ursprünglich stand das von Michael Gruttorfer und seiner Ehefrau Petronella, geb, Hausmann, gestiftete Kreuz am Gruttorferend, in der Nähe der heutigen Nikolaus-Siedlung.

Rückseite Hochkreuz1 kompr

Rückseite des Hagelkreuzes ist leider nicht einsehbar und zudem verschmutzt. 

 

 

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Außerdem erinnert der flache profilierte Sockelstein in der Nähe des Hochkreuzes daran, dass sich hier ursprünglich das Grabmal des Bürgermeisters Heinrich Joseph Kürfgen (1781 - 1847) befand (Denkmal Nr. 52, Foto: Stadt Meebusch, Untere Denkmalbehörde).

Die Stele mit der Inschrift und die ornamental verzierte Rundbogenbekrönung wurden durch Vandalismus beschädigt . Beide Teile lagern in einem Nebengebäude der Osterather Friedhofskapelle und müssen fachgerecht restauriert werden. Wann der Grabstein wieder an seinem ursprünglichen Platz aufgestellt werden kann, ist nicht geklärt. Als repräsentatives Denkmal der Ortsgeschichte hätte er hier seinen angemessenen Platz. Kürfgen wurde 1821 Bürgermeister von Osterath und Fischeln und spielte eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Gemeinde, weil unter seiner Ägide Osterath an den überörtlichen Postverkehr angebunden wurde.

 

 

 


LIteratur:
Robert Rameil, Chronogramme und Inschriften in Meerbusch, in: Meerbuscher Geschichtshefte, Heft 5, Meerbusch 1988, S. 71 - 72..
Margot Klütsch, Meerbuscher Kunstwege, Kunstwerke und Denkmäler im Stadtbild, Düsseldorf 2010, S. 85-86 (mit weiterer Literatur).
Mike Kunze, Was vom Leben bleibt - Grabsteine als lokalhistorische Quelle (Teil II), in: Meerbuscher Geschichtshefte, Heft 28, Meerbusch 2011, S. 37 - 39.
Margot Klütsch, Spiegel mit vielen Facetten - Friedhöfe und Grabmalkunst in Meerbusch, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2013, Hrg. Kreisheimatbund Neuss e. V., Neuss 2012, S. 200-219.

 

Sepulkralskulptur
geschrieben von Dr.Margot Klütsch 11. NOVEMBER 2011


Auf dem heutigen Osterather Friedhof befinden sich bemerkenswerte Grabsteine, deren Entstehung vom 17. bis ins 21. Jahrundert reicht. Die ältesten Zeugnisse sind neun barocke Grabkreuze mit Winkelvoluten, die gegenüber der Friedhofskapelle aufgestellt wurden. Vier Steine weisen an der Basis einen Totenschädel und gekreuzte Knochen als Symbole des Memento mori auf. Den Inschriften ist zu entnehmen, dass die Grabsteine zwischen 1668 und 1707 entstanden. Die Grabsteine stammen vom früheren Kirchhof an St. Nikolaus, wo wohl bis zum Abriss der alten Kirche 1855 Bestattungen vorgenommen wurden.

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Grabkreuze 17./18. Jahrhundert

 

 


Entlang der Hauptachse des 1912 angelegten Friedhofs sicherten sich während und vor allem nach dem Ersten Weltkrieg mehrere alteingesessene Osterather Familien ihre Grabstätten und errichteten zum Teil aufwändig gestaltete Grabdenkmäler mit neugotischen und klassizistischen Elementen. Einige Grabstätten haben architektonischen Charakter. Mehrere der meist nach dem Ersten Weltkrieg errichteten Grabdenkmäler sind erhalten. Hier finden sich die unterschiedlichsten Grabmalstypen wie Hochkreuz (Familie Karl Langels), architektonische Grabwand (Familie Franz Bacher) , Grabarchitektiur (Familie Thomassen), Ädikula (Grabmal Ploeneshof) und klassizistische Stele (Grabmal Famiie Bommers). 

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                       Langels (Hochkreuz)                                      Bacher Grabwand)                                                    Thomassen (Grabarchitektur)

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         Ploeneshof (Ädikula)                                                     Bommers (klassische Steele)

 

Auf dem Friedhof sind Bürgermeister und Gemeindedirektoren der ehemaligen Gemeinde Osterath bzw. der Stadt Meerbusch beigesetzt.
Carl Rüsing (1854-1917), Bürgermeister in Osterath 1892 - 1917
Rudolf Bartels (1878 - 1948), Bürgermeister und Gemeindedirektor in Osterath 1918 - 1933 und 1945
Hugo Recken (1891-1953), Bürgermeister und Gemeindedirektor in Osterath 1934 - 1953
Rudolf Lensing (1902-1977) , Bürgermeister in Osterath 1946 - 1969
Ernst Nüse (1927-2000), Bürgermeister von Meerbusch 1979 -1989
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Künstlerisch gestaltete Grabmale

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Auf dem Osterather Friedhof ist der Aktionskünstler Helmut Martin-Myren (1934 - 2001) bestattet. Martin-Myren, ausgebildeter Maler und Tischlermeister, lebte lange Jahre in Meerbusch, wo er durch sein politisches Engagement, u.a. gegen Ausländerfeindlichkeit und für die Erhaltung von Haus Meer, bekannt wurde. Die Bronzeplatte auf seinem Grabstein ist nach einer seiner charakteristischen Intarsienarbeiten angefertigt worden.

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Der in der Osterather Windmühle lebende Bildhauer Will Brüll (geb. 1922) schuf für das Grab seiner 2010 verstorbenen Frau die abstrahierte Skulptur "Paar" von 1997/98. Die beiden parallel angeordneten schmalen Hochrechtecke aus gewalztem Edelstahl symbolisieren Zweisamkeit. Sie sind auf einem Sockel aus schwarzem Granit angebracht. Das Grab liegt in unmitelbarer Nähe zu dem von Will Brüll gestalteten "Trauermal".

 

 

Denkmäler und Mahnmale

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Durch den Friedhof von 1912 führt vom Eingang am Bommershöfer Weg der breite, von Linden gesäumte Hauptweg. Den Blickpunkt auf dieser Hauptachse bildet das monumentale Basalt-Hochkreuz . Auf dem mehrfach gestuften Sockel ist vorne als Inschrift der Anfang der Kreuzhymne O CRUX AVE SPES UNICA (= O Kreuz sei gegrüßt einzige Hoffnung) eingelassen. Eine weitere Inschrift besagt, dass das Kreuz 1914 errichtet und 1991 erneuert wurde. Der Korpus ist im neugotischen Stil gestaltet. Das zentrale Hochkreuz wurde kurz nach der Anlage des Friedhofs in Auftrag gegeben.

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Am Eingang Bommershöfer Weg, gegenüber der Friedhofskapelle, liegt ein Gedenkstein für die Toten der Ostdeutschen Heimat.

 

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Ein weiterer Gedenkstein an der westlichen Friedhofsmauer erinnert unter der Überschrift "Tod. Deportation. Vertreibung" an Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, die in Osterath während des Nationalsozialismus umkamen. Ein vergleichbarer Gedenkstein befindet sich auf dem Büdericher Friedhof.

 

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Der Friedhof wurde ab 1963 und ab 1984 nach Nordwesten erweitert. Das neu angelegte Areal umfasst ein Wegenetz mit rechtwinklig angelegten Feldern. Auf dem Platz am Schnittpunkt zweier Wege steht seit 1988 das Trauermal "Sechsfigurengruppe" des Osterather Bildhauers Will Brüll (* 1922).. Es war als Mahnmal der Versöhnung für einen Friedhof in Königsberg, heute Kaliningrad, gedacht. Diese Idee wurde jedoch nicht realisiert, so dass die Skulptur ihren Platz auf dem Osterather Friedhof fand.

 

Quellen und Literatur:
STA Meerbusch, Bestand Osterath 1183, 1258
Margot Klütsch, Meerbuscher Kunstwege, Kunstwerke und Denkmäler im Stadtbild, Düsseldorf 2010, S. 88.
Mike Kunze, Was vom Leben bleibt - Grabsteine als lokalhistorische Quelle (Teile I), in: Meerbuscher Geschichtshefte, Heft 27, Meerbusch 2010, S. 153 - 157.
Mike Kunze, Was vom Leben bleibt - Grabsteine als lokalhistorische Quelle (Teil III), in: Meerbuscher Geschichtshefte, Heft 29, Meerbusch 2012, S. 127-177.
Margot Klütsch, Spiegel mit vielen Facetten - Friedhöfe und Grabmalkunst in Meerbusch, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2013, Hrg. Kreisheimatbund Neuss e. V., Neuss 2012, S. 200-219.